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Was ist ein Insurtech- und was ist ein Fintech-Unternehmen?

Wenn Sie die Meldungen in der Wirtschaftspresse genauer verfolgen, dann ist immer mal wieder von Start-Ups – also neugegründeten Unternehmen – die Rede, die mit enormen Wachstumsraten einen Markt sehr schnell erobern. Und schon bald die Größe erreicht haben, dass extensive Werbekampagnen im Internet und im klassischen Fernsehen finanziert werden können. Sie lesen die beiden Begriffe Fintech und Insurtech, die auf den ersten Blick sehr verschlüsselt klingen.

WORTGEBUNG DER BEGRIFFE


Wenn Sie die Meldungen in der Wirtschaftspresse genauer verfolgen, dann ist immer mal wieder von Start-Ups – also neugegründeten Unternehmen – die Rede, die mit enormen Wachstumsraten einen Markt sehr schnell erobern. Und schon bald die Größe erreicht haben, dass extensive Werbekampagnen im Internet und im klassischen Fernsehen finanziert werden können. Sie lesen die beiden Begriffe Fintech und Insurtech, die auf den ersten Blick sehr verschlüsselt klingen.

FINTECHS SIND GENERELL MIT EINEM TASTENDRUCK ERREICHBAR


Mit knapp 39,2 Milliarden Euro wird derzeit eines der ersten und größten Fintech-Unternehmen bewertet. Es wurde gegründet, als die Wortschöpfung Fintech noch nicht verwendet wurde. Und war damit sozusagen früher vorhanden als die Aufmerksamkeit der Medien und Presse! Es handelt sich um PayPal, ein Unternehmen welches das weltweite Bezahlen revolutioniert hat. Überweisungen per PayPal brauchen keine fünf oder zehn Tage, um den Empfänger zu erreichen. Stattdessen ist das Geld fast in Echtzeit auf dem PayPal-Konto des Empfängers. Diese Dienstleistung basiert auf moderner Computertechnologie und einer effizienten Betriebsorganisation. Das Wachstum dieses Fintechs wird zusätzlich durch die hohe Datensicherheit befeuert:

Wie bei der Eröffnung eines „normalen“ Bankkontos auch muss der Nutzer erstmals mit einem Ausweis identifizieren. Der Kunde eines Online Shops genießt einen Käuferschutz und muss einem ihm unbekannten Händler keine vertraulichen Daten wie Kreditkartennummer o.ä. überlassen. Das Bezahlen und auch Geld umbuchen funktionier mit jedem Endgerät, welches eine Verbindung zum Internet hat. In den einzelnen Ländern gibt es eine kleine, effiziente Zentrale in der alle wesentlichen Zahlungsverkehrsfunktionen und auch die Betrugsbekämpfung zusammengefasst sind. Dieses erste und größte aller Fintech-Unternehmen bietet Zahlungsverkehr „pur“. Nächste Schritte beim Wachstum waren eigene PayPal-Kreditkarten im weltweit akzeptierten MasterCard-Standard. In den USA gibt es bereits die Möglichkeit, Privatkredite bei PayPal aufzunehmen (https://www.paypalcredit.com/index.html).

Diesem Vorbild folgen viele weitere Unternehmen, die die Banken und Zahlungsverkehrslandschaft umkrempeln: Denken Sie dabei an das neue Unternehmen Number26, bei welchem das Girokonto und der Zahlungsverkehr vom Smartphone aus erfolgen können. Ein Dispokredit rundet das Angebot von Number 26 ab. Bei Neugründungen von Fintech Unternehmen muss nicht immer alles glatt laufen: Obwohl sie eine voll gültige Banklizenz haben, kann manchmal etwas schief gehen.

So stellte Number 26 fest, dass das Unternehmen mit einigen Kunden aufgrund eines Konstruktionsfehlers der Preismatrix wohl niemals Geld verdienen würde. Die Presse war irritiert, als vor einigen Wochen vielen Kunden einfach ohne Angabe von Gründen Girokonten gekündigt wurden. Der Gründer Maximilan Tayenthal räumte aber diesen Fehler ein, wie das Online-Angebot t3n.de vor einigen Tagen berichtete (http://t3n.de/news/number26-gruender-maximilian-718087/). Er begründete dies damit, dass es Kunden waren, die auf dem Girokonto kaum Zahlungsverkehr durchgeführt haben, aber monatlich 25 kostenfreie Bargeldabhebungen bei Fremdbanken vornahmen.

Infografik: Berlin ist das deutsche Fintech-Epizentrum | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Dieses Beispiel zeigt, dass das Eröffnen eines Kontos bei einem Fintech durchaus mit dem Risiko verbunden sein kann, dass sich das Geschäftsmodell später ändert oder sich das Unternehmen weiter zurückzieht. Weitere Angebote von Fintechs ist beispielsweise der Wertpapierhandel, bei dem allerdings die Grenzen zwischen traditionellem Online-Broker und Fintech verschwimmen.

ENTSTEHUNG DER FINTECHS


Die Fintechs sind auch deshalb entstanden, weil viele traditionelle pyramidal aufgestellt Banken Privatkunden nicht mehr pflegten und ihr Serviceangebot enorm einschränkten. Wenn Kunden zur „roten“ Bank vor Ort gehen und trotz vier bis fünf Mal höheren Bankgebühren beim Wertpapierkauf keinerlei Beratung zu Aktien bekommen, dann sehen sich die Kunden nach Alternativen um. Die Fintechs besetzen damit Lücken im Serviceangebot, die die bisherigen Marktführer hinterlassen haben. In den nächsten Jahren werden sicherlich weitere „Roll-Outs“ von Fintech Angeboten folgen wie beispielsweise computergestützte Geldanlage („robo investment„) und ähnliche Angebote.

INSURTECH-UNTERNEHMEN VERBINDEN TECHNOLOGIE MIT FREIEM WETTBEWERB


Auch die Insurtech-Unternehmen nutzen das Auftreten einer neuen, selbstbewussten Generation an Versicherungs- und Bankkunden: Anders als beim früheren „Alleinvertreter“ nur einer einzigen Versicherungsgesellschaft verbinden Insurtech-Unternehmen die Vorteile eines Versicherungsvergleichs im Internet mit der persönlichen Beratung eines neutralen Maklers.

Wesentliches Kernelement der Leistungen eines Insurtech-Unternehmens ist eine Smartphone- oder internetbasierte Anwendung, in die die Kunden ihre Versicherungsverträge eingeben. Sie erteilen dem Insurtech-Unternehmen den Auftrag, nach besseren und günstigeren Versicherungen zu suchen. Die Kunden erhalten dadurch einen Mehrwert vom Insurtech-Unternehmen, dass die Suche nach den besten Versicherungen zusätzlich von einem geschulten Mitarbeiter begleitet wird. Dieser sieht sich nach den besten Versicherungen mit um und unterbreitet Vorschläge zu einem besseren Versicherungsschutz. Im Kernpunkt der Insurtech-Unternehmen steht deshalb auch das Vertragsmanagement bzw. die Wechselmöglichkeit zu einem günstigeren Versicherungsunternehmen.

Befeuert werden die Insurtech-Unternehmen durch die weit verbreitete Auffassung im Versicherungs-Bereich, dass Stammkunden-Verträge nicht von selbst an die neuen, günstigeren Konditionen angepasst werden. Im Extremfall kann das Insurtech-Unternehmen alleine dadurch Geld des Versicherten einsparen, dass innerhalb des gleichen Versicherungsunternehmens ein neuer Tarif vereinbart wird.

NZZ Finanzlexikon: Was ist eigentlich «Fintech»? – Quelle: Youtube

Die meisten Versicherten dürften diese Ersparnisse aus dem Internet-Autoversicherungsvergleich kennen, der im Wesentlichen allerdings auf dem Selbstbedienungsprinzip beruht. Neben Vertragsmanagement-Funktionen gibt es auch Insurtech-Unternehmen, die das Prinzip der Versichertengemeinschaft betonen: Versicherungen werden in einer Art Gruppenversicherung abgeschlossen, durch gegenseitiges Vertrauen oder den regionalen Bezug soll ein günstigeres Schadenbild entstehen. Ergebnis ist ein – hoffentlich hoher- Schadensfreiheitsrabatt.

WAS MACHT INSURETECH-UNTERNEHMEN SO BELIEBT?


Insurtech Unternehmen erfreuen sich deshalb so großer Beliebtheit, weil bei dem normalen Versicherungskunden kein Mehrwert für die beim örtlichen Makler abgeschlossene Versicherung deutlich wird. Kunden zahlen also oftmals fünf, zehn oder noch mehr Prozent und erhalten nur die gleichen Leistungen. Es bestehen enorme Wachstumschancen, da die meisten Unternehmen die Online-Welt sehr gut mit der persönlichen Erreichbarkeit per Mail, Chat oder Telefon kombinieren. Die Welt der Insuretechs ist allerdings erst im Aufbruch. Deshalb lässt sich noch nicht das eine, große Unternehmen identifizieren, welches den Löwenanteil des Marktes erobert.

Damit ähneln sich die Ausgangslagen der Fintech und der Insurtech-Unternehmen: Sie nutzen die Chancen neuer Technologien und stoßen in Lücken, die von behäbigen traditionellen Unternehmen erst freigelassen wurden.

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