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Was unterscheidet den Zeitwert vom Neuwert und Wiederbeschaffungswert?

Wer sich mit dem Thema Versicherungen beschäftigt, stößt immer wieder auf Fachbegriffe wie beispielsweise „Zeitwert„. Die Bedeutung solcher Begriffe ist nicht jedem klar, was mit einem erheblichen Risiko verbunden ist. Denn wer bei Abschluss einer Versicherung nicht alle Details sorgfältig prüft, der kann sich früher oder später mit einem weiteren Fachbegriff, nämlich der Unterversicherung, auseinandersetzten. Gerade beim Thema Hausrat- und Haftpflichtversicherung sind die Begriffe „Zeitwert, Neuwert und Wiederbeschaffungswert“ von besonderer Relevanz. Um auf der Suche nach einer Versicherung den richtigen Vertrag zu finden, solltest du dich daher unbedingt mit folgenden Begriffen auseinandersetzen und deren Bedeutung kennen.

DER NEUWERT


Die Hausratversicherung wird auch als Neuwertversicherung bezeichnet. Diese Begriffe beziehen sich auf die Höhe, der im Schadensfall von der Versicherung zu leistenden Erstattung. Orientiert sich die Versicherung bei der Erstattung an dem Neu- oder Wiederbeschaffungswert einer Sache, wird, anders als beim Zeitwert, der Anschaffungspreis eines neuwertigen Produktes von gleicher Art und Güte zugrunde gelegt. Dies hat zur Folge, dass die im Rahmen der Schadensregulierung gezahlte Summe höher oder niedriger sein kann, als der tatsächlich gezahlte Kaufpreis. Denn Preise unterliegen permanenten Schwankungen und Veränderungen.

Bei Elektrogeräten, wie beispielsweise Computern oder Fernsehern ist der Wiederbeschaffungs- oder Neuwert oftmals niedriger, als der tatsächlich gezahlte Kaufpreis. Das ist auf die permanenten technologischen Fortschritte in diesem Bereich zurückzuführen, die bereits in kleinen Zeiträumen eine Wertminderung hervorrufen können. So ist beispielsweise der Neupreis eines Computers mit einer bestimmten Leistung von Jahr zu Jahr geringer. In anderen Bereichen stellt sich die Sachlage jedoch umgekehrt dar. So nimmt zum Beispiel der Wert von Antiquitäten mit der Zeit zu. Hier ist der Wiederbeschaffungswert daher oftmals höher als der ursprüngliche Kaufpreis. Der Neu- bzw. Wiederbeschaffungswert orientiert sich somit am Neupreis eines gleichwertigen Produktes. Deutlich davon abzugrenzen ist der sogenannte Zeitwert.


DER ZEITWERT


Während sich der Wiederbeschaffungs- und der Neuwert am Neupreis orientieren, spiegelt der Zeitwert den aktuellen Wert einer bestimmten Sache zum Zeitpunkt eines Versicherungsfalls wieder. Die Versicherung bestimmt den Zeitwert, indem sie zunächst den Neu oder Wiederbeschaffungswert ermittelt. Anschließend wird ein Wertverlust wegen Alter und Abnutzung der Sache bestimmt. Der Zeitwert ist schließlich die Differenz aus Neupreis abzüglich Wertverlust.

Bei den Haftpflichtversicherungen wird in der Regel immer der Zeitwert erstattet. Wird also beispielsweise der Fernseher eines Dritten beschädigt, erstattet die Versicherung die Kosten nur bis zur Höhe des aktuellen Wertes dieses Gerätes. Je nach Abnutzung und Alter kann der Zeitwert daher wesentlich geringer sein, als der Neupreis. Eine Elektronikversicherung, die beim Kauf teurer Elektrogeräte empfehlenswert ist, orientiert sich ebenfalls am Zeitwert. Hier wird allerdings zunächst geprüft, ob eine Reparatur in Betracht kommt. Ist die Reparatur möglich, werden die Kosten dafür bis zur Höhe des Zeitwertes übernommen.

Übersteigen die Kosten für die Reparatur allerdings den Preis eines Neugerätes, kann die Versicherung entscheiden, welche Kosten sie erstattet. Falls also beispielsweise dein versichertes Smartphone beschädigt wird, ermittelt deine Elektronikversicherung zunächst den Zeitwert. Neben dem Neuwert bzw. Wiederbeschaffungswert ist hierfür in erster Linie das Alter des Gerätes, welches den Wertverlust bestimmt, maßgeblich. Für die Bestimmung des Wertverlustes greifen die meisten Versicherungen auf prozentuale Pauschalabzüge zurück. Dabei wird je nach Alter eines Gerätes ein bestimmter prozentualer Wertverlust vermutet.

zeitwert


DIE UNTERVERSICHERUNG


Wer beim Versicherungsabschluss nicht sorgfältig die Versicherungsbestimmungen prüft, der sieht sich schnell mit einer sogenannten Unterversicherung konfrontiert. Gerade bei der Hausratversicherung ist dieses Thema von besonderer Bedeutung.

Die Unterversicherung beschreibt den Zustand, bei dem der tatsächliche Wert einer versicherten Sache wesentlich höher ist, als die Versicherungssumme, also der maximale Betrag, den die Versicherung erstatten würde. Dies widerspricht dem versicherungsrechtlichen Grundsatz, wonach die Versicherungssumme immer dem Wert der versicherten Sache entsprechen soll.

Bezogen auf die Hausratversicherung bedeutet dies, dass der gesamte Hausrat z.B. einen Wert von 150.000 EUR hat, die Versicherung im Schadensfall aber nur bis zu einer Höhe von 100.000 EUR reguliert. In diesem Fall wäre ein Drittel des Hausrates nicht versichert, dieser Teil des Hausrates damit also unterversichert. Die Versicherung hätte dann gemäß § 75 Versicherungsvertragsgesetz die Möglichkeit, ihre Leistungen je nach Unterversicherung anteilig zu kürzen. Im gennannten Beispiel würde dies eine Kürzung der Leistungen um ein Drittel bedeuten. Statt 100.000 EUR würde die Versicherung dann nur 66.667 EUR zahlen. Daher ist bei Abschluss eines Vertrages unbedingt die Versicherungs- bzw. Deckungssumme sorgsam auszuwählen und an die tatsächlichen Verhältnisse anzupassen.

Bei vielen Hausratversicherungen wird die Versicherungssumme von der Grundfläche des Wohnraumes bestimmt. Hier ist die Versicherungssumme höher, je mehr Quadratmeter Wohnfläche die Wohnung oder das Haus hat. Die meisten Versicherungen legen für die Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnfläche einen Betrag in Höhe von 650 EUR zugrunde. Die Versicherungssumme für eine 100 Quadratmeter große Wohnung würde dann 65.000 EUR betragen. Diese Regelegung hat einen entscheidenden Vorteil für den Versicherungsnehmer, nämlich den damit zusammenhängenden Unterversicherungsverzicht.

Typklassen KFZ (GDV) – Quelle: Youtube

Das bedeutet, dass die Versicherung im Schadensfall auf die Prüfung der Unterversicherung verzichten wird und selbst dann keine Kürzungen vornimmt, wenn der Wert der Einrichtung die Deckungssumme übersteigt.

Stellt sich also nach dem Versicherungsfall heraus, dass die obige 100 Quadratmeter große Wohnung eigentlich mit 100.000 statt mit nur 65.000 EUR Versicherungssumme zu versichern gewesen wäre, wird die Versicherung keine Anteilige Kürzung prüfen.


FAZIT


Speziell wer nach einer Hausrat-, Haftpflicht- oder Elektronikversicherung sucht, sollte die Begriffe „Zeitwert, Neuwert oder Wiederbeschaffungswert“ unbedingt kennen. Während der Zeitwert den aktuellen Wert einer Sache zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrückt, beziehen sich Wiederbeschaffungs- oder Neuwert auf den Neupreis einer Sacher gleicher Art und Güte. Bei Vertragsabschluss ist zudem unbedingt auf eine eventuelle Unterversicherung zu achten.

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